Arbeiten

Von Softwares und Sandalen

Michael Kriegel ist ein Tüftler im Dienste der Natur

Michael Kriegel arbeitet als Software-Architekt – und in der Freizeit daran, die Erde für künftige Generationen zu erhalten. Von wegen Nerds scheuen frische Luft!

In der Cafeteria im brandneuen Gebäude von Viega Schweiz AG herrscht um 10 Uhr fröhliche Betriebsamkeit: Zwischen «käffelenden» Mitarbeitenden werden Möbel hindurchgetragen, an vielen Orten klebt noch Schutzfolie, es riecht nach Zukunft. Gerade ist «synchronisierte Pause» – die Zeiten wurden so gelegt, dass zwar keine Abteilung verwaist ist, aber die Mitarbeitenden doch die Möglichkeit haben, sich quer durch die Units informell auszutauschen.

 

Sichtbeton und Sandalen

Darauf wird grossen Wert gelegt, ganz generell darauf, dass eine inspirierende Atmosphäre herrscht: Im neuen Gebäude gibt es so zum Beispiel auch eine dunkelblaue Bibliothek mit Cheminée, die sich ebenso gut in einem Boutique-Hotel befinden könnte. Überhaupt ist das Gebäude superschick: viel Sichtbeton, viel Licht, viel Raum. Gerade wird das Panorama der Bündner Alpen auf die Glasscheiben der Büros foliert.

«Ich habe ganz gezielt nach einem Job in Graubünden gesucht»

Auch Michael Kriegel hat Freude am neuen Gebäude, «vor allem natürlich, weil es nach Minergie-Plus-Standard gebaut wurde», sagt er. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind grosse Themen im Leben des 30-Jährigen. Er trägt Birkenstock-Sandalen mit Socken wie alle hier, die mit Elektronik hantieren («die schützen vor statischer Aufladung»), und hat eine Sherlock-Holmes-artige Neigung zur Analyse.

 

Kein Platz für Denkfaulheit

Keine Antwort ist unbedacht, keine Meinung fundiert nicht auf empirischen Belegen, kein Gegenargument bleibt unbeantwortet. Auch wenn er erklärt, warum ihm Umweltschutz am Herzen liegt, kommen keine Geschichten von sterbenden Eisbären, sondern Fakten, Hochrechnungen und pragmatische Überlegungen – allerdings nicht aus Mangel an Emotionen, sondern einer sehr gründlichen, präzisen Denke geschuldet.

 

Vielleicht eine Déformation professionelle, oder vielleicht hat da einer einen Beruf gefunden, der perfekt zu ihm passt: Michael ist Software-Architekt, also dafür verantwortlich, dass die Einzelteile der Programme perfekt zusammenarbeiten. Da ist kein Platz für Denkfaulheit.

Chur | Viega Schweiz AG

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«Ich bin gleich nach der Wende in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Dort gab es zwar kein explizites Bewusstsein für Umweltschutz, aber auch keinen materiellen Überfluss – wir mussten schon immer mit dem zurechtkommen, was da ist. Schlussendlich ist es aber aus der Überlegung entstanden, die Erde als Lebensraum für uns und künftige Generationen zu erhalten», sagt er im Versuch, sein Engagement herzuleiten. Von der Solaranlage auf seinem Balkon, mit der er einen Sommer lang seinen Kühlschrank betrieben hat oder Filmvorstellungen für Freunde veranstaltete, über sein selbst umgebautes E-Trike, das er genauso für Passfahrten wie zum Transportieren schwerer Lasten nutzt, bis zur selbstgebauten Holzbrille – Michael ist ein Tüftler im Dienste der Umwelt.

 

Letztlich liebt er einfach die Natur sehr. «Ich habe ganz gezielt nach einem Job in Graubünden gesucht», sagt Michael, der seit seiner Kindheit fasziniert ist von den Bergen. Seit acht Jahren lebt er nun in der Schweiz und ist «dankbar, hier sein zu dürfen»: Jede freie Minute verbringt er draussen, wandert oder fährt ambitionierte Strecken mit dem Velo.

 

Ehrensache Ehrenamt

Und auch sonst widmet er seine Freizeit der grossen Sache: etwa bei Umwelteinsätzen des WWF oder durch seine Mitgliedschaft im Verein «Filme für die Erde», der jährlich in über 20 Städten Festivals zum Thema Nachhaltigkeit veranstaltet. Was er dort genau tut? Er lacht: «Ich bin natürlich für Technik zuständig. Egal, in welchem Verein – wenn man sagt, man sei Informatiker, kommt sofort jemand und sagt: ‹Ach super, wir haben da ein Problem mit unseren Computern.› Und dabei mach ich das doch schon den ganzen Tag!»

 

Nicht zuletzt sei das auch ein Grund, warum er sich freuen würde, wenn bald mehr Ingenieurinnen und Ingenieure nach Graubünden kämen, sagt er und grinst.

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